3. Mrz 2022

Podcasts als Methode für Wissenstransfer in der kulturellen Bildung

von Katrin Huenemoerder

Es ist immer eine große Herausforderung in Projekten kultureller oder politischer Bildung, erworbenes Wissen für andere aufzubereiten, damit sie möglicherweise von anderen lernen können und Ergebnisse nachnutzen können. Dabei geht es nicht nur um Projektergebnisse, die sich am Ende eines Projektes schriftlich in einen Bericht packen lassen, und nicht nur um die Checkliste, die sich als how-to Anleitung fix in einem Blogartikel oder einem Videotutorial unterbringen lässt. Gerade Tutorials können ohne Frage hilfreich sein, dennoch ist es meist die Kontextualisierung und das Wissen um die Entstehung bestimmter Ergebnisse, welches den wahren Wert einer Anleitung oder Methodenbeschreibung ausmacht. 

Im Projekt re:mix – Jugend singt und mischt sich ein, welches ein Kooperationsprojekt zwischen mediale pfade und der Deutschen Chorjugend ist und zum Ziel hat, innerverbandliche Teilhabe durch innovative digitale Methoden zu stärken, ist die Frage nach der kollaborativen Dokumentation von Erfahrungen und der Aufgabe, gute Inhalte nachhaltig verfügbar zu machen, zentral. 

Als die Chorjugend Anfang 2021 das Projekt TOGETHER! – Chor.Leben mit dem Ziel ins Leben rief, in ganz Deutschland partizipative und diverse Jugendchöre zu gründen, unterstützte re:mix Formate des Wissenstransfers zwischen den Chorgründer*innen. Schnell wurde klar, dass die Protagonist*innen im Projekt – die Gründerinnen und Gründer neuer Chöre – nicht nur spannende und neue Erfahrungen sammeln durften, sondern auch eine Gruppe von Vordenker*innen der kulturellen Bildung sind: Expert*innen in innovativer Chorleitung; leidenschaftliche Musikpädagog*innen mit sehr klaren Vorstellungen, wie Chöre und Chormusik nicht nur individuelle Selbstwirksamkeit, sondern auch gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Ein Schatz also, den es hervorzuheben galt. Die Idee war es nun, das vorhandene Wissen um neue Ansätze, Haltung und konkrete Methoden für die Leitung partizipativer und diverser Chöre für andere Chorleitende verfügbar zu machen – als Inspirationsquelle für die eigene Arbeit. 

“Ich freue mich riesig, dass wir mit unserem ersten Podcast „Chor.Leben“ Musiker:innen aus der Chorszene Aufmerksamkeit schenken, die ganz besondere Chorprojekte auf die Beine stellen. Es ist uns als Dt. Chorjugend ein Anliegen, Vielfalt, Lebendigkeit und Ideenreichtum unserer Mitgliedschöre an die Öffentlichkeit zu tragen und ihnen zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.”

Nina Ruckhaber, Medienvorstand der Deutschen Chorjugend

Warum ein Podcast?

Bis zur Entscheidung zu versuchen, Wissen aus dem TOGETHER! – Chor.Leben Projekt in einem Podcastformat aufzubereiten, dauerte es noch etwas. Obwohl Audioformate bereits seit einer Weile gern gesehener Gast im Vermittlungsmix für Bildungsinhalte sind, gab es zunächst die Idee, mit schriftlichen Blogbeiträgen oder Webvideo zu arbeiten. Grund dafür war die vorhandene größere Erfahrung mit diesen Produktionsformen. Insbesondere zu Webvideo in politischer Bildung existierte durch die Arbeit von mediale pfade im Netzwerk bewegtbildung.net mit der theoretischen Auseinandersetzung mit Kriterien für gelingende Bewegtbildung sowie dem Praxischeck in Form einer Webvideoreihe viel Erfahrungswissen. Aber: re:mix ist ein Modellprojekt, indem auch mit neuen Formaten experimentiert werden darf und Erzählungen über Chorprojekte bieten sich für Audioformate auf natürliche Weise an. Da die Zielgruppe für das Format Chorleitende sind, konnte man also von einem audioafinen Publikum ausgehen. Desweiteren war klar, dass die Interviewpartner*innen als Chorleitende zum einen im Umgang mit ihrer eigenen Stimme geschult sind, zum anderen über gute Aufnahmetechnik verfügen. Wie wichtig diese Dinge sind, ist allerdings erst viel später klar geworden. 

Ausschlaggebend für die Entscheidung, einen Podcast zu produzieren, war letztendlich die Tatsache, dass die Gründer*innen selbst keine Kapazitäten hatten, um eigene Beiträge zu schreiben oder gar Videos aufzunehmen, durchaus aber für Interviews zur Verfügung stehen würden. Statt die Interviews aufzuzeichnen und später zu verwerten, entwickelte sich die Vorstellung, eine Podcastproduktion würde die ressourcenschonenste Form des Wissenstransfers sein. Es sollte aber doch komplizierter werden als zunächst vermutet.

„Auch aus der politischen Bildung sind Podcasts seit einiger Zeit nicht mehr wegzudenken, sind sie doch individuell abrufbar und thematisch unglaublich vielseitig. Chor.Leben geht noch einen Schritt weiter: Hier werden die Ergebnisse eines Modellprojekts unseres Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ ganz praktisch, authentisch und immer vergnüglich präsentiert – so dass andere Praktiker:innen direkt davon lernen können. Wissen wird nachhaltig verfügbar gemacht und kann immer wieder Inspirationsquelle sein.“

Lan Böhm, Leiterin der Regiestelle des Bundesprogrammes “Zusammenhalt durch Teilhabe” der Bundeszentrale für politische Bildung

Das richtige Format

Podcasts sind eine Sammlung einzelner Medienbeiträge, die über einen Web-Feed oder RSS Feed abonniert werden können. Das können sowohl Audio- als auch Videobeiträge sein, allerdings ist im Alltag mit dem Begriff häufig das Audioformat gemeint. Laut Statistika hat etwa jeder 5. deutsche Mensch innerhalb der letzten zwölf Monate einen Podcast gehört. Diese Zahl stammt aus dem Februar 2021 und es ist zu vermuten, dass die Zahl der Hörer*innen während der Coronapandemie noch gestiegen ist. Es ist übrigens recht schwierig, genaue Statistiken über Podcastkonsum zu erhalten, wie dieser Artikel auf podcast.de belegt. Ähnlich verhält es sich mit der Anzahl der produzierten Podcasts, die aufgrund zahlreicher Hostingservices und vielfältigster Streaming- und Verbreitungsmöglichkeiten ebenfalls schwer zu ermitteln ist.

Unbestreitbar ist die Tatsache, dass auch bei Podcasts die Formatvielfalt schier endlos ist. Von spontan eingesprochenen oder gescripteten Monologen, über Interviewformate bis hin zu aufwändig recherchierten und produzierten Audioreportagen mit Einspielern und Originalmusik gibt es alles, was man sich ausdenken kann. Dabei sind vermeintlich einfache Produktionen, in der nur eine oder zwei Personen zu Wort kommen, nicht unbedingt weniger erfolgreich. Über eine bestimmte Erzählkultur und Meinungsstärke können Podcasts ein starkes Identifikationspotenzial haben, wie die beiden erfolgreichsten deutschen Podcasts “Gemischtes Hack” und “Fest und Flauschig” zeigen. In beiden Fällen lauschen die Hörer*innen den teils hitzigen, teils witzigen und wortgewaltigen Gesprächen zweier Comedy-Autoren bzw. Moderatoren, die ohne weitere Einspieler oder produzierte Beiträge auskommen. Viele Personen, die das öffentliche Leben auf unterschiedliche Weise mitgestalten, haben Podcastformate als Möglichkeit entdeckt, Diskurse oder Zusammenhänge nochmal zu erklären oder auf nicht-akademische Weise zugänglich zu machen. Ein prominentes Beispiel ist hier der vom NDR produzierte Corona Podcast mit Christian Drosten, der vielen Menschen als zuverlässige Informationsquelle in der teils unübersichtlichen Medienberichterstattung zur Pandemie diente. Auch die Tatsache, dass Luisa Neubauers neuer Podcast “1,5 Grad” zu den derzeit beliebtesten und meistgehörten Podcasts gehört, unterstreicht die These, dass sich das Medium gut eignet, um komplexe Inhalte zu erklären und sich dafür die benötigte Zeit zu nehmen. Die Bereitschaft, einem Gespräch auch über einen längeren Zeitraum zuzuhören, scheint zumindest bei Menschen zwischen 21 – 40 Jahren mit überwiegend höheren Schulabschlüssen, welche den größten Teil der Podcastkonsumierenden ausmacht, vorhanden zu sein. (Statistika, 21.01.2021

Wichtig für die Entscheidung für ein eigenes Podcastformat ist neben der Zielsetzung, die mit dem Format verfolgt werden soll, die Ressourcenfrage. Wie häufig bei Medienproduktionen ist die eigentliche Aufnahme des Inhaltes eher der geringere Teil des Gesamtprojektes. Organisation und Absprachen, die inhaltliche Vorbereitung, die Postproduktion und die letztendliche Veröffentlichung und Verbreitung des Podcasts beanspruchen wesentlich mehr Ressourcen. Aber bleiben wir zunächst nochmal bei den Zielen. Im Fall des Chor.Leben-Podcasts ging es darum, von einzelnen Chorgründer*innen mehr über ihre spezifisch im Projekt eingesetzten Methoden und Erfahrungen zu lernen. Da ein vor Ort Besuch bei den Chören sowohl die finanziellen und zeitlichen Kapazitäten des Projektes überschritten hätte als auch wegen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen schwierig gewesen wäre, fiel die Entscheidung auf ein Gesprächsformat mit Interviewcharakter, in dem die Moderatorin des Podcasts in jeder Episode eine*n andere*n Chorgründer*in zu ihrem Projekt und ihren Erfahrungen befragt. 

Der Inhalt

Nachdem das Format geklärt war, ging es an die Organisation und die inhaltliche Vorbereitung. Das Vorhaben wurde den Gründer*innen vorgestellt und Termine für die Interviewaufnahmen gemacht. Da es im Podcast um den Einsatz von spezifischen Methoden für den Aufbau von diversen und partizipativen Chören geht und nicht vorrangig um eine Projektvorstellung, wurde entlang der jeweiligen Expertise der Gesprächspartner*innen eine Leitfrage mit diversen Unterfragen entwickelt, die im Interview behandelt wurden. Die Fragen wurden so entwickelt, dass die Chorgründer*innen ihr Wissen zu ihrem spezifischen Thema für die Hörer*innen verständlich und nachvollziehbar präsentieren konnten. Die Nachfragen wurden so gestellt, dass auch die Anwendbarkeit und Praxistauglichkeit der vorgestellten Konzepte und Methoden deutlich wurde. Die Interviewpartner*innen erhielten im Vorfeld die Frageblöcke, so dass diese sich inhaltlich vorbereiten konnten. In Einzelfällen wurden weiterführende Informationen zu vorgestellten Konzepten unter dem Podcast selbst verlinkt, so dass interessierte Hörer*innen hier selbstständig weiter recherchieren können. Die inhaltliche Grundlage für die gewählten Podcastthemen stammt aus den Wissenscafés, die im Rahmen des Projektes TOGETHER! – Chor.Leben, die über den Projektzeitraum sehr regelmäßig stattgefunden haben. Dort konnten die Gründer*innen ihre Expertise mit den anderen Chorgründer*innen des Projekts bereits teilen. Der Impuls der Expert*innen wurde dann von den anderen Chorgründer*innen diskutiert und Ideen für die Anwendung entwickelt beziehungsweise eigene Erfahrungen zum Thema reflektiert und geteilt. 

Der Podcast greift die Themen aus den Wissenscafés auf und versucht, die Inhalte sowie ihre praktische Anwendung auch mit anderen Chorleitenden zu teilen. Die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung jeder Podcastfolge belief sich auf vier bis sechs Stunden, wobei hier die Dauer des entsprechenden Wissenscafés sowie die Beschäftigung mit weiterführender Lektüre, die Recherche über die Gesprächspartner*innen und die Formulierung der Fragen eingerechnet ist. Als sehr sinnvoll hat sich erwiesen, sich für den Fragenkatalog Feedback und Ergänzungsvorschläge einzuholen, in diesem Fall von der inhaltlichen Projektleitung.

„In den im Rahmen des Modellprojekts TOGETHER! – Chor.Leben durchgeführten Wissenscafés ist unglaublich viel Expertise vonseiten der unterschiedlichen Chorleiter:innen des Projekts zusammengetroffen, wodurch ein starker interner Wissenstransfer entstehen konnte.  Da der Hörsinn für Musiker:innen üblicherweise der wichtigste Sinn ist, versuchen wir nun den Wissenstransfer nach außen durch den Podcast Chor.Leben zu ermöglichen.“

Marie-Lena Olma, Projektleiterin des Projektes TOGETHER! – Chor.Leben der Deutschen Chorjugend

Der Rahmen

Die Entwicklung des Rahmens für den Podcast gestaltete sich aufwändiger als zunächst vermutet. Besonders in die Gestaltung des Intros floss einiges an Überlegung, denn an dieser Stelle legt man den Grundstein für Stimmung und Atmosphäre im Podcast. Spätestens nach dem Intro werden sich Hörer*innen entschieden haben, ob es sich lohnt, die Folge anzuhören, was die Relevanz eines Intros noch einmal unterstreicht. 

Für den Chor.Leben-Podcast fiel die Entscheidung, die Episodenlänge nicht kürzer als dreißig und nicht länger als sechzig Minuten zu gestalten. Zum einen ist das die ungefähre Länge vergleichbarer Formate, zum anderen lag die Überlegung zugrunde, dass die Zeitinvestition von weniger als einer Stunde für das Hören einer Folge eine zumutbare Hürde für Chorleiter*innen darstellen kann. Zudem schien die Zeit ausreichend, um im Gespräch ein bestimmtes Thema angemessen zu vertiefen. Was zunächst eher ein Bauchgefühl war, erwies sich in der Umsetzung als eine gute Entscheidung. Das Feedback von Hörer*innen bestätigte, dass die Inhalte in diesem Zeitraum anregend aufbereitet werden konnten. Bestätigt wird dies durch die Podcast-Insights, die z.B. Spotify bereitstellt, welche zeigen, dass ungefähr drei Viertel der Hörer*innen des Chor.Leben Podcasts die Folgen bis zu Ende hören, wobei das für die einzelnen Episoden etwas unterschiedlich ist.

Am meisten Spaß hat neben den eigentlichen Gesprächen die Suche nach einem Jingle für den Podcast gemacht. Für einen Chor-Podcast schien ein musikalisches Intro mit Chormusik sinnvoll. Es gab diverse Vorschläge für tolle Chorarrangements, die Schwierigkeit  jedoch darin, einen geeigneten Musikschnipsel zu finden, der in sich abschließt. Die Entscheidung fiel auf das jazzige Intro eines von Pascal Hahn arrangierten Stückes für das Vocal Ensemble “Room One” von Lisa Meier, Sängerin und Mitarbeiterin der Deutschen Chorjugend. Das ausgewählte Intro ist eingängig und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es versprüht Energie und gute Laune, ist mehrstimmig gesungen und ließ sich so bearbeiten, dass es zeitlich sowohl für das Intro als auch das Outro genutzt werden konnte. Außerdem hat es keinen Text, der vom Eingangsstatement der im Podcast interviewten Chorgründer*innen ablenken könnte. Teil des Intros ist nämlich auch ein im Interview selbst gefallener Satz, welcher die Gesprächspartner*innen sowohl inhaltlich als auch stimmlich in den Podcast einführt.

Alle Podcastfolgen haben den gleichen Rahmen. Der Eingangsmusik folgt ein Eingangsstatement des jeweiligen Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin, welches über die Jinglemusik gelegt wurde. Es folgt eine für alle Episoden gleiche Begrüßung und generelle Vorstellung des Podcastprojektes und der Namen der Gesprächspartnerin oder des Gesprächspartners, dann endet die Jinglemusik. Die eigentliche Episode beginnt mit einer kurzen Vorstellung der eingeladenen Person bevor das inhaltliche Gespräch stattfindet. 

Alle Podcasts enden mit dem gleichen Outro, welches sich noch einmal der Jinglemusik bedient und in dem alle Projektförderer genannt werden. Gerade bei geförderten Podcastprojekte ist dieser Teil wichtig und es ist sinnvoll, die formalen Teile entsprechend sorgfältig zu skripten, von allen involvierten Projektpartnern prüfen zu lassen und eine Aufnahme zu machen, die für alle Episoden wiederverwendet werden kann. So vermeidet man, aus Versehen jemanden zu vergessen.

Die Aufnahme

Bereits bei der Produktion von Webvideos wird immer auf die enorme Wichtigkeit der Qualität der Audioaufnahmen hingewiesen. Schlechter Ton ist nicht zu kompensieren. Vermutlich ist es keine Überraschung, dass bei Audioformaten die Audioqualität oberste Priorität haben muss, insbesondere, wenn das Format ohne weitere Einspieler oder andere vorproduzierte und zusammengeschnittene Inhalte auskommen soll. Wenn der Podcast kürzere unterschiedliche, von verschiedenen Personen eingesprochene Beiträge, z.B. in Form einer Sprachnachricht oder eines kurzen Telefonats beinhaltet, dann ist es aber vertretbar, wenn einzelne Beiträge eine andere Aufnahmequalität haben. In diesem Fall transportiert ja die blecherne Ästhetik eines Telefongesprächs oder einer auf dem Nachhauseweg eingesprochenen Nachricht einen Teil der message und regt die Fantasie der Hörer*innen an.

Im Fall des Chor.Leben Podcasts gab es solche Beiträge jedoch nicht, denn die Episoden drehten sich ausschließlich um die Erfahrungen und Erzählungen der jeweiligen Gesprächspartner*innen. Die Herausforderung bestand also, möglichst eine Studioaufnahmequalität zu erreichen. Da alle Aufnahmen corona- und ressourcenbedingt remote durchgeführt wurden, war das keine einfache Aufgabe. 

Das technische Set-Up bedurfte einiger Experimente. In allen Episoden sprachen zwei Menschen miteinander, wobei die Moderatorin des Podcast stets dieselbe Technik nutzte, die Gesprächspartner*innen immer unterschiedliche Möglichkeiten für die Aufnahme hatten. Die Frage war also, wie man es bei remote Aufnahmen erreicht, dass die Qualität auf beiden Seiten zumindest sehr ähnlich ist. 

Während der ersten drei Aufnahmen befand sich neben der Moderatorin auch der Aufnahmeleiter, der später auch die Postproduktion übernahm, vor Ort. Das erwies sich gerade für die ersten Aufnahmen als sehr sinnvoll, da sich die Moderatorin vollständig auf das inhaltliche Gespräch konzentrieren konnte, und der Aufnahmeleiter sicherstellte, dass die Qualität der Aufnahme gleichbleibend ist. Nachdem der grundsätzliche Ablauf der Aufnahme und das technische Set-Up erprobt waren, konnte die Moderatorin die Aufnahmen alleine durchführen.

Als Aufnahmegerät wurde der Rode Rodecaster Pro genutzt, ein speziell für Podcastproduktionen entwickeltes Gerät mit vier Mikrofoneingängen und vier Kopfhörerausgängen sowie der Möglichkeit, weitere Geräte per Bluetooth, USB Kabel oder Audiokabel (TRRS Miniklinke) anzuschließen. Weitere Funktionen wie die programmierbaren Soundpads wurden für diese Art der Aufnahme nicht benötigt, da es eine Postproduktion gab. Für Live-Produktionen gäbe es mit dem Podcaster die Möglichkeit, vorproduzierte Inhalte wie Jingles oder Outros direkt einzuspielen. Der Podcaster verfügt über einen Micro-SD-Karten slot, auf der alle Audio Inputs direkt aufgezeichet werden können. Alternativen für Audio Mischpulte für Podcastaufnahmen sind hier zu finden.

Die Moderatorin nutzte ein Headset, welches direkt mit dem XLR Mikrofoneingang und dem Kopfhörerausgang des Rodecasters verbunden war. Das Gespräch selbst wurde mit Hilfe eines Anrufs über den Messengerdienst Signal durchgeführt, weshalb ein iPhone mit Hilfe eines TRRS-Kabels und eines TRRS auf Lightning-Adapters an den Klinkeneingang im Podcaster angeschlossen wurde. 

Die Audioqualität des Signalanrufs erwies sich als sehr stabil, es gibt aber auch gute Erfahrungen mit der Aufnahme von Zoomcalls. Eine technische Nachbearbeitung ist aber bei der Aufzeichnung von Telefongesprächen auf jeden Fall empfehlenswert, da Telefonstimmen wie auch das Zoom-Audio komprimiert werden. Grundsätzlich ist die beste Variante, wenn es die Möglichkeit der externen Aufnahme auf Seiten des Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin gibt und die Telefonverbindung über Signal lediglich das Back-Up der Aufnahme darstellt. Eine vergleichsweise erschwingliche Lösung für Audioaufnahmen stellt hier der mobile Audiorecorder  Zoom H1 dar. Weitere Anregungen für Aufnahme Equipment finden sich hier

Mit externer Aufnahme auf beiden Seiten der Leitung wurde beispielsweise in den Episoden zwei und drei mit Klara Hens und Maximilian Stössel gearbeitet. Im Vergleich dazu kam bei den Folgen eins, vier, fünf und sechs mit Susan Lahesalu, Sarah Neumann, Jacinta Pereira und Lukas Gebelein die Aufnahme des Signal-Telefongesprächs zum Einsatz. Im letzteren Fall wurden die Gespräche über die Signal WebApp geführt und die Interviewten hatten zur Verbesserung der Klangqualität jeweils eigene Mikrofone an ihre Computer angeschlossen. In allen Fällen gab es eine weitere Back-Up Aufnahme im Audioschnittprogramm Reaper, was über einen ebenfalls am Podcaster angeschlossenen Computer realisiert wurde. Die Back-Up Aufnahmen wurden allerdings in keiner Postproduktion verwendet, da die Signal-Aufnahmen bzw. die extern aufgenommenen Audiodateien ausreichend waren. 

Interessante Auswirkungen gab es bezüglich des Set-Ups in unerwarteter Weise. Alle Interviews, mit Ausnahme des Gesprächs mit Maximilian Stössel zum Thema Selbstwirksamkeitserfahrungen, wurden ausschließlich per Telefon über Signal geführt. Das Gespräch mit Max wurde per Videokonferenz geführt, da es hier wie bereits beschrieben, die Möglichkeit der externen Aufnahme auf beiden Seiten gab und das Konferenzaudio nur das Back-Up war. In der Bearbeitung der Audiodateien fiel auf, dass es in der Episode drei zum Thema Selbstwirksamkeitserfahrungen sehr viel weniger sprachliches Feedback von der Moderatorin an Maximilian gab, zum Beispiel in Form von Zwischenkommentaren oder Lachen, als es bei den anderen Folgen der Fall war. Das lag vermutlich daran, dass in der Videokonferenz die Signalisierung von Verständnis auch non-verbal gegeben werden konnte und ein sprachliches Feedback nicht zwingend notwendig war. Auch die Abstimmung, wann ein Gedanke zu Ende gesprochen war und eine neue Frage gestellt werden konnte, ist in der Videokonferenz non-verbal möglich, im Telefongespräch schwerer. Die nur über Telefon geführten Gespräche erhalten dadurch einen etwas emotionaleren Charakter, der sehr gut in das Audioformat passt, während die über Videokonferenz aufgenommene Episode eher einem klassischen Interviewformat ähnelt. 

Die Postproduktion

Die Postproduktion ist in die inhaltliche und die technische Bearbeitung des Interviews unterteilt. Die Bemühung war, das Interview jeweils so gut vorzubereiten, dass sich die inhaltliche Bearbeitung in Grenzen hält, dennoch gab es in fast allen Fällen die Notwendigkeit, besonders zum Ende des Gesprächs hin nochmal zu kürzen und zu straffen, denn innerhalb eines fast einstündigen Gesprächs schleichen sich gerade zum Ende hin Redundanzen ein. Je nach Erfahrung der Gesprächspartner*innen ist es manchmal auch hilfreich, die “Ähs” oder Denkpausen zu kürzen, um das Gespräch flüssig erscheinen zu lassen. 

Technisch bearbeitet wurden die Audiodateien mit der Audiosoftware Izotope durchgeführt, eine mächtige aber auch teure Software für die Restauration von Audiodateien. Grund der Nutzung waren eventuelle Hintergrundgeräusche, komprimierte Telefonstimmen, Lautstärkeschwankungen und Mundgeräusche. 

Für den eigentlichen Schnitt des Podcasts gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das weit verbreitete kostenlose Open Source Audiobearbeitungsprogramm Audacity eignet sich grundsätzlich gut. Der Chor.Leben Podcast wurde allerdings mit Reaper geschnitten, einer Software, die für Individuen oder gemeinnützige Vereine einmalig $ 60 kostet.

Die Postproduktion einer Folge dauerte inklusive der technischen und der inhaltlichen Bearbeitung durchschnittlich einen kompletten Arbeitstag, wobei auch das sehr schwankte. Je besser die technische Ausstattung der Interviewpartner war (Mikrofon, Headset etc.), desto weniger Zeit nahm die technische Nachbearbeitung in Anspruch.

Hosting und Veröffentlichung

Wer glaubt, dass die Arbeit nun zu Ende ist, liegt leider falsch. Die Veröffentlichung eines Podcasts beinhaltet weitere Schritte, die durchdacht werden müssen. 

Um einen Podcast zu veröffentlichen, bedarf es eines Hosting Services, also einem digitalen Ort, von dem aus die einzelnen Episoden zu verschiedenen Streamingdiensten gelangen, auf denen der Podcast dann abonniert, angehört oder heruntergeladen werden kann. Es gibt diverse Anbieter mit sehr unterschiedlichen Preismodellen. Für den Chor.Leben Podcast haben wir uns für das Open Source WordPress Plugin Podlove entschieden. Über das Plugin ist es möglich, die einzelnen Podcastfolgen auf der eigenen Website zu hosten und über eine Webplayer auch abspielbar zu machen. Gleichzeitig ist es Streamingdiensten wie Spotify oder Apple Podcast möglich, neue Folgen automatisch beim Upload im WordPress auf die eigene Plattform zu ziehen und somit den Abonnent*innen zugänglich zu machen. Podlove bietet auch Insights zu den abgerufenen Folgen an, wobei zu beachten ist, dass z.B. Spotify sich jede Folge nur einmal zieht und Insights zu den über Spotify abgerufenen Folgen nur in den Spotify-Insights zu finden sind und nicht in den Podlove Analytics.

Der Chor.Leben Podcast ist derzeit direkt auf der Projektwebsite von re:mix – Jugend singt und mischt sich ein, auf Spotify, Apple Podcast und YouTube abrufbar. Die Erstellung eines eigenen Kanals auf Spotify war sehr einfach, für die Einrichtung von Apple Podcast bedurfte es wie bei den meisten ios-Anwendungen einer Apple ID und der Hinterlegung einer Kreditkarte, auch wenn das Streamen von Podcasts grundsätzlich kostenfrei ist. 

Für alle Streamingplattformen ist es notwendig, einen Thumbnail hochzuladen, sozusagen das Cover für den Podcast. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Infotext für den gesamten Podcast anzubieten, der interessierten Abonnent*innen die Möglichkeit gibt, eine generelle Idee von dem zu erhalten, was sie in den Podcast Episoden inhaltlich erwartet. Weiterhin sollte jede einzelne Folge ebenfalls einen Teasertext erhalten, der die Folge inhaltlich beschreibt. Wie kurz oder ausführlich die Teasertexte als auch der allgemeine Infotext ist, ist von Podcast zu Podcast vollkommen unterschiedlich. Hilfreich ist gerade für Formate, die Wissen transportieren möchten, die Möglichkeit, im Teasertext der einzelnen Folgen weiterführende Links anbieten zu können. 

Wenn die Folge auf der eigenen Website oder der Podcast-Hostingplattform hochgeladen, mit Thumbnail und Teasertext versehen und auf den gewünschten Streamingplattformen verfügbar gemacht wurde, kann die Folge auf Social Media Kanälen oder über Messengerdienste beworben werden. Es ist sinnvoll, auf alle verfügbaren Plattformen hinzuweisen und auf jeden Fall auch den Link zum Webplayer mitzuschicken, denn nicht alle potenziell Interessierten haben Spotify oder Apple Podcast als App auf dem Smartphone. Als erfolgreich hat sich auch das Hochladen der Episoden auf Youtube erwiesen (in Form eines mit einem Standbild versehenen ausgespielten Videos), denn viele Menschen nutzen auch Youtube als Quelle für Audioformate. 

Um letztendlich den Erfolg einer Podcast-Folge messen zu können, ist es notwendig, die Analytics der einzelnen Plattformen anzuschauen und gegebenenfalls zusammenzurechnen. Ähnlich wie bei Webvideoformaten ist auch bei Podcasts die “Watchtime”, oder “Listening Time” entscheidend, also wie lange die Hörer*innen der Folge durchschnittlich zuhören. 

Bei Folge Eins zum Thema, wie man einen Chor gründet, haben beispielsweise über 70% der Hörer*innen auf Spotify mehr als drei Viertel der Folge angehört, was für einen knapp 40-minütigen Podcast eine sehr gute Zahl ist.


Bleibt nur noch zu sagen: Hört selbst rein und lasst euch von den fantastischen Chorgründer*innen aus dem Projekt TOGETHER! – Chor.Leben inspirieren.
Viel Spaß bei euren eigenen Podcastprojekten!

Der Chor.Leben Podcast
Hier kommen Menschen zu Wort, die außergewöhnliche Chorprojekte leiten oder organisieren. Im Gespräch teilen sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen darüber, wie ein Chor zu einem demokratischen Erfahrungsort wird. Die Fragen stellt Katrin Hünemörder von mediale pfade, Projektleiterin des Kooperationsprojektes „re:mix – Jugend singt und mischt sich ein“ von mediale pfade und der Deutschen Chorjugend. 
In der ersten Staffel des „Chor.Leben“ Podcasts sprechen wir mit Chorgründer*innen aus dem Projekt TOGETHER! – Chor.Leben der Deutschen Chorjugend, welches zum Ziel hat, bundesweite neue Chöre zu gründen, die einen Schwerpunkt auf Partizipation und Diversität legen. Im Podcast erzählen sie von den Hürden und den Erfolgserlebnissen, von ihren Methoden und davon, wie diese sich auch in andere Chorprojekte integrieren lassen.  
Das Projekt TOGETHER! – Chor.Leben wird gefördert von der Stiftung Deutsche Jugendmarke, der Deutsche Bank Stiftung, Aktion Mensch und weiteren Förderern auf Landes- und kommunaler Ebene. Mehr Informationen zum Projekt findet ihr unter https://www.deutsche-chorjugend.de/projekte/together-chorleben
Der Podcast ist eine Produktion des Kooperationsprojektes „re:mix – Jugend singt und mischt sich ein“ von mediale pfade und der Deutschen Chorjugend, welches zum Ziel hat, Teilhabe und Partizipation in der Chorjugend durch digitale Methoden zu stärken. Das Projekt wird gefördert vom Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Mehr Informationen zum Projekt findet ihr unter https://remix.medialepfade.org/
Redaktion und Moderation: Katrin Hünemörder, mediale pfade (Projektleiterin re:mix)
Schnitt und Postproduktion: Andreas Hildebrandt 
Projektleitung TOGETHER!- Chor.Leben: Marie-Lena Olma, Deutsche Chorjugend
Jingle: Let’s dream about what Christmas could be – Room One
Text & Musik: Lisa Meier 
Arrangement: Pascal Hahn 
Room One auf Spotify

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