Das Modellprojekt „BruchGold“, welches mediale pfade gemeinsam mit der AWO Bezirksverband Brandenburg Süd e.V. (AWO BV BBS) durchführt, stärkt lokale demokratische Kultur und initiiert neue Dialogformate.
Im Zentrum des Projekts steht die Sichtbarmachung, Anerkennung und Aufwertung von Bruchbiografien, die durch gesellschaftliche Transformationen wie Wiedervereinigung und Strukturwandel in Ost- und Westdeutschland entstanden sind.
Mit der MakerKutsche, einem mobilen MakeSpace des AWO BV BBS werden die Kommunen Lübbenau, Spremberg und Luckenwalde im Land Brandenburg besucht. In Making- und Repair-Workshops werden Bewohner*innen eingeladen, bedeutsame Gegenstände aus ihrer Vergangenheit mitzubringen und gemeinsam zu reparieren bzw. zu reproduzieren. Diese Prozesse werden zum Türöffner für Gespräche über Transformationsgeschehen, Verluste und Neuanfänge. Die reparierten Objekte werden zu ,,erzählenden Objekten”, deren Geschichten mit digitalen Storytelling-Formaten festgehalten werden. Ergänzend vertiefen zwei Makerthons die Städtepartnerschaft zwischen Lübbenau und Oer-Erkenschwick im Ruhrgebiet durch gemeinsames Reparieren und biografischen Austausch.
Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass Menschen unter den Bedingungen ihrer jeweiligen Lebens- und Arbeitswelten eine enge Beziehung zu den Dingen entwickelt haben, die sie selbst hergestellt oder genutzt haben. Diese Werkstücke standen häufig für Können, Arbeit, Anerkennung und persönliche Leistung und waren damit eng mit dem eigenen Selbstwert und Selbstverständnis verbunden. Gesellschaftliche Umbrüche und die damit verbundenen Verlusterfahrungen haben diese Bezüge jedoch vielfach unterbrochen. Erfahrungen, Haltungen und Wissen konnten oft nicht an jüngere Generationen weitergegeben werden, was gegenseitiges Verständnis zusätzlich erschwert. Indem die Arbeit mit diesen Gegenständen wieder aufgenommen wird – durch gemeinsames Reparieren oder Reproduzieren – werden ihre Geschichten und Bedeutungen erneut zugänglich gemacht. So entstehen Räume für Austausch zwischen den Generationen, für gegenseitiges Zuhören und für die Stärkung von Selbstwert im gemeinsamen demokratischen Dialog.
Die gesammelten Bruchgeschichten fließen in eine Wanderausstellung, die lokale Erfahrungen über regionale Grenzen hinweg sichtbar macht. In Form einer digital aufbereiteten WebApp können die Objekte ihre Geschichten zudem weltweit erzählen und so zur Neubewertung und Weiterentwicklung von Narrativen über Bruchbiografien beitragen.
Parallel dazu werden zivilgesellschaftliche Akteur*innen in Moderationstechniken geschult und bei der Gestaltung dialogischer Formate durch eine von uns entwickelte ‘sokratische KI-Anwendung’ unterstützt.
Das Projekt verbindet bewährte Ansätze der Makerpädagogik mit innovativen digitalen Formaten und schafft niedrigschwellige Zugänge zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und gesellschaftlichem Wandel. Sämtliche Methoden werden als Open Educational Resources (OER) aufbereitet, um nachhaltige Impulse für demokratische Bildung insbesondere in ländlichen Räumen zu setzen.